Piratenimkerei

Auf http://www.peta.de/honig wurden 8 Argumente vorgetragen, warum Honig nicht vegan ist. Im Folgenden gehe ich darauf ein. Dabei erörtere ich die einzelnen Punkte aus der Sicht einer Imkerei wie sie in Deutschland betrieben wird.

Ich plädiere nicht für den Kauf von Honig aus dem Supermarkt, da verschiedene Argumente dagegen sprechen. Wer jedoch beim „Imker seines Vertrauens“ vor Ort kauft, leistet sogar einen Beitrag zum Schutz der Honigbienen.

1. Auch Bienen werden in der Massenzucht gehalten und ausgebeutet
Wie bei anderen tierischen Erzeugnissen geht es dem Menschen auch beim Honig um Profit. Um einen möglichst hohen Erlös zu erzielen, werden auch die kleinen Insekten, ähnlich wie Hühner, Schweine und Kühe, manipuliert und ausgebeutet. In der Honigindustrie werden Bienen Opfer von unnatürlichen Lebensbedingungen, genetischer Manipulation und stressvollen Transporten. Sie werden gezwungen, in sogenannten Magazinen zu leben, die ihnen als künstlicher Bienenstock dienen. Gezwungen deshalb, weil die Flügel der Bienenköniginnen gestutzt werden und die Königinnen somit an das vom Menschen bereitgestellte „Zuhause“ gebunden sind. Auf diese Weise zwingt der Imker auch die restlichen Bienen zu einem Leben in den Magazinen, denn ohne ihre Königin würden sie niemals wegfliegen. Die Kästen sind mit bis zu vier Stockwerken ausgestattet und lassen sich an einer Seite öffnen, damit der Imker leicht an den Honig gelangt. Sie wurden speziell entwickelt, um den Bienenstock mühelos von Ort zu Ort transportieren und so profitabel Honig erhalten zu können.

Das Wesen der Bienen kann man nur verstehen, wenn man ein gesamtes Bienenvolk betrachtet und nicht eine einzelne Biene oder bestimmte Gruppen von Bienen. Wissenschaftler sprechen vom Superorganismus, was den gesamten „massigen“ Bienenvolkskörper bezeichnet, Imker bezeichnen ein Bienenvolk auch als Bien. In diesem Zusammenhang von „Massenzucht“ zu sprechen, ist irreführend. Bienen treten immer in einer gewissen Volksstärke auf. Diese erreicht im Mai und Juni bei uns ihren anzahlmäßigen Höhepunkt. Die Autoren verkennen auch vollkommen, dass die Honigbienen heute zumindest in Deutschland gar keine Lebensbedingungen vorfinden, die ihnen ein Überleben in unserer Kulturlandschaft erlauben. D.h., wenn die Imker in Deutschland keine Bienen mehr halten oder betreuen würden, dann würde die Honigbiene bei uns verschwinden. Im Übrigen gibt es sogar erste Projekte, die versuchen der Honigbiene wieder natürliche Lebensräume in unserer Natur zu schaffen. Raten Sie einmal, wer sich hier engagiert. Es sind die ausbeuterischen Imker.

Gentisch manipulierte Bienen gibt es aktuell nicht.

Wer mit der Haltung von Bienen auf einen großen Profit hofft, wird enttäuscht werden und sollte sich anderen Themen zuwenden. Die Autoren sollten die Imker fragen, wie sie zur Imkerei gekommen sind. Die wenigsten werden als Motivation das Geldverdienen angeben, aber viele werden ihre Faszination für die Bienen und die Natur anführen.

Der Begriff Honigindustrie suggeriert einen maschinellen und automatisierten Vorgang, was absolut an der Realität vorbei geht und nur irreführend ist. Ich selbst betreue z.Z. ca. 10 Bienenvölker und schleudere den Honig bspw. wie die allermeisten Imker mit einer handbetriebenen mechanischen Schleuder. Ich benötige genau genommen nur bei zwei Gelegenheiten überhaupt elektrischen Strom: Beim Einlöten der Wachsmittelwände in die Holzrähmchen und beim Rühren des Honigs mit der Bohrmaschine. Was hat das mit Industrie zu tun?

Wie bereits angeführt, gibt es in Mitteleuropa z.Z. keine natürlichen Honigbienenstöcke, da die unbewirtschafteten Waldlandschaften nahezu verschwunden sind. Die von den Autoren kritisierten künstlichen Bienenstöcke sind so schlecht nicht, denn sie bieten ähnlich einem hohlen Baum den Bienen Schutz. Die Bienen müssen und können auch gar nicht gezwungen werden darin zu leben. Man hat untersucht, welche Größe die ideale für ein Bienenvolk ist. Dazu hat man Bienenschwärmen verschiedene Wahlbehausungen angeboten. Wen wundert es, dass die heutigen Bienenbeuten ganz ähnlich dimensioniert sind wie solch idealen Behausungen?

Die Autoren stellen es so dar, als ob das Beschneiden der Flügel der Bienenkönigin eine durchgängige Praxis wäre. Dem ist einfach nicht so (ich selbst tue dies bspw. nicht). Es ist auch bei den Imkern nicht unumstritten.

Richtig ist, dass die Kästen und damit das Behausungsvolumen je nach Stärke des Volks angepasst werden. Im Frühjahr und Sommer sind die Beuten höher als im Herbst oder Winter. Die Bienen lagern den Honig fluglochfern - das Flugloch ist unten - ein, so dass der Imker nur den Deckel abheben muss und von oben den Honig entnehmen kann.

Richtig ist auch, dass es mit den Beuten relativ einfach ist, mit den Bienen zu wandern, z.B. in die Obstblüte, damit der Bauer genügend Äpfel ernten kann, die er dann profitabel - wahrscheinlich auch an Veganer - verkauft. Viele Imker wandern aber überhaupt nicht, sondern haben die Bienen das ganze Jahr am gleichen Platz stehen. Wenn man die Bienen nicht sehr lange Strecken transportiert - und das wird bei uns eher sehr selten passieren - stellt sich die Frage, inwieweit man überhaupt von Stress durch den Transport sprechen kann.

2. Bienen werden bei der Honigproduktion oft verletzt oder getötet
Viele Imker gehen beim Einsammeln des Honigs unachtsam vor. So werden die Flügel der winzigen Kreaturen oftmals beschädigt oder gar ihre Beine abgetrennt. Zudem verhindern die Imker bewusst das „Ausschwärmen“, also die Aufteilung der Stockbewohner mit der Geburt einer neuen Königin, indem sie, wie bereits erwähnt, die Flügel der Königin kürzen, damit sie den Stock nicht verlassen kann. Der natürliche Prozess des Schwärmens könnte nämlich zu einer geringeren Honigproduktion führen und den Profit des Imkers schmälern. Königinnen werden im Übrigen künstlich befruchtet; dabei werden Drohnen, also männliche Bienen, eingesetzt, die während des Prozesses sterben.

Die meisten Imker gehen beim Einsammeln des Honigs achtsam und nicht unachtsam vor.

In der Praxis klopft man bei der Honigernte seitlich gegen das Honigrähmchen, wobei viele Bienen schon abfallen. Den Rest kehrt man vorsichtig mit einer Gänsefeder oder einem leichten Besen in die Beute zurück. Wer behauptet, dass bei der Honigernte keine Biene unversehrt bleibt, lügt natürlich, aber trotzdem tun die meisten Imkern alles dafür, die Bienen nicht zu verletzen.

Die Autoren stellen es so dar, als ob Königinnen prinzipiell künstlich befruchtet würden. Das ist ebenfalls schlichtweg falsch. Kaum ein Imker tut das in der Praxis, es stellt die sehr große Ausnahme dar. Fragen Sie doch einfach mal ihren Imker vor Ort, ob er dies tut.

Generell sterben die Drohnen, die die Königinnen befruchten, das ist auch in „freier Wildbahn“ so und der natürliche Werdegang.

3. Königinnen erreichen nur einen Bruchteil ihrer natürlichen Lebenserwartung
So wie Rinder, Kühe, Schweine und Hühner in der Intensivtierhaltung nur einen Bruchteil ihrer natürlichen Lebenserwartung erreichen, sterben auch Bienen in der Honigindustrie frühzeitig. Obgleich Bienenköniginnen, welche die Eier legen, bis zu sechs Jahre alt werden können, werden sie bereits nach einem Jahr getötet und durch neue, produktivere Königinnen ersetzt.

Die Autoren verallgemeinern wieder unzulässig. Richtig ist, dass allgemein junge Bienenköniginnen leistungsfähiger sind als ältere. Das heißt aber nicht, dass die Imker systematisch nach einem Jahr die alte Königin töten, um eine neue ins Volk zu setzen.

Denn erstens hat der Imker gar keinen Anlass dies zu tun, wenn die Eigenschaften des Volkes zufriedenstellend sind, d.h. es ist gesund, nicht sonderlich agressiv und trägt Honig ein.

Zweitens sorgt das Bienenvolk selbst für eine neue Königin, wenn die alte Königin nicht mehr in der Lage ist, für genügend neue Bienen zu sorgen, indem es sich eine neue Königin nachzieht.

Drittens bedeutet ein Austausch der Königinnen auch immer ein Gefahr, dass die neue Königin nicht vom Volk angenommen wird. Dann wäre das Volk weisellos und zum Untergang verurteilt. Ein Risiko, was viele Imker gar nicht eingehen wollen.

Viertens ist der Kauf einer neuen Königin eine wirtschaftliche Frage für den Imker, da diese nicht gerade preiswert sind.

Fünftens kann es z.B. für die Zuchtauswahl, z.B. bei der Zucht einer Biene, welche gegen die Varroamilbe resistent ist, von Vorteil bzw. notwendig sein, diese so lange wie möglich leben zu lassen, um das Verhalten über viele Jahre zu bewerten.

4. Bienen brauchen ihren Honig selbst
Bienen produzieren ihren Honig nicht aus Spaß oder, wie so mancher Imker gerne behauptet, für den Menschen – Honig dient den Bienen vielmehr als Nahrungsmittel. Der aus Pollen und Nektar hergestellte Honig enthält wichtige Nährstoffe, die für die Bienen, vor allem in den kalten Wintermonaten, überlebenswichtig sind. Zudem dient Honig den Bienen als Schutz gegen einen möglichen Befall durch verschiedene Milbenarten, die unter anderem für das Bienensterben verantwortlich sein sollen. Die von den Imkern bereitgestellte künstliche Ersatznahrung, bei der es sich zumeist um billiges Zuckerwasser handelt, macht die Tiere jedoch anfällig für Krankheiten.

Ich kenne keinen einzigen Imker, der die sehr dumme Behauptung aufstellt, Bienen würden Honig für den Menschen oder gar aus Spaß produzieren.

Honig wird nicht aus Pollen hergestellt, Pollen wird von den Bienen separat in den Wabenzellen eingelagert. Der Pollen liefert Eiweiße, freie Aminosäuren, Vitamine und essentielle Fettsäuren. Honig liefert die Kohlehydrate als energetische Grundlage, der es den Bienen ermöglicht, im Winter durch Muskelvibrationen die Temperatur im Stock so hoch zu halten, dass ein Überleben möglich wird.

Es gibt keinen einzigen Beleg dafür, dass Honig den Bienen als Schutz gegen einen möglichen Befall durch verschiedene Milbenarten dient.

Weiterhin entnimmt der Imker den Bienen nicht sämtlichen Honig. Das ist schon dadurch bedingt, dass nur reine Honigwaben - d.h. ohne Bienenbrut und Pollen - geschleudert werden können. Eine typische Bienenwabe ist jedoch so aufgebaut, dass um das Brutnest ein Pollenkranz besteht und sich nach oben eine Honigkappe anschließt. Die Fütterung im Spätsommer mit Zuckerwasser bzw. speziellen Zuckerpräparaten füllt die bestehenden Reserven wieder auf.

Weiterhin ist zu bedenken, dass ein Bienenvolk im Sommer mehr Honig sammelt, als es im Winter verbraucht. Es findet eine natürlich Überproduktion statt.

5. Bienen arbeiten hart für IHREN Honig
Ein Bienenstock besteht aus Zehntausenden Bienen, von denen jede eine bestimmte Aufgabe hat. Die Arbeiterbienen sind für die Futtersuche zuständig und docken pro Tag an etwa 40 Millionen Blüten an, um Pollen und Nektar aufzunehmen. Anschließend entziehen sie dem Nektar das Wasser und fügen ihm körpereigene Enzyme zu, um den Honig so in Futter zu verwandeln und zu verhindern, dass er schlecht wird. Eine mühselige Arbeit – und das tagein tagaus.

Die Aussagen sind korrekt, aber sie sprechen nicht gegen die Imkerei oder den Verzehr von Honig.

6. Das Bienensterben geht uns alle an

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ Albert Einstein
Vor einigen Jahren ging die Nachricht vom großen Bienensterben durch alle Medien. Pestizide seien schuld, die Klimaerwärmung sei schuld, Parasiten und Milben seien schuld. Zweifelsfrei tragen diese Aspekte zum dramatischen Rückgang der Bienenbestände bei, die sich nur langsam erholen. Doch der wahre Grund, warum beispielsweise die Varroa-Milbe der heutigen Biene einen solch immensen Schaden zufügen kann, liegt darin, dass die Bienen von klein auf an Eiweißmangel leiden, weil der Mensch ihnen den für sie lebensnotwendigen Honig stiehlt. Die im Honig verarbeiteten Blütenpollen sind sehr wichtig für junge Bienen und der Nektar liefert erwachsenen Bienen die nötige Energie.

Die Aussage, welche Einstein zugeschrieben wird, ist nachweislich nicht von ihm (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Colony_Collapse_Disorder#Angebliches_Zitat_von_Albert_Einstein Die Honigbienen wurden bspw. auch erst von Europa aus nach Amerika importiert und von den Indianern als „Fliege des weißen Mannes“ bezeichnet.

Nichtsdestotrotz leisten die Bienen einen enormen Beitrag zur Bestäubung und sind unbedingt zu schützen.

Die Autoren liegen aber gleich doppelt falsch. Erstens gibt es keinerlei Beweis, dass die Bienen von klein auf an Eiweißmangel leiden und dies die Ursache des Bienensterbens ist. Die Ursachen werden wohl komplexer sein.

Zweitens sind die Eiweiße im Pollen enthalten und nicht im Honig. Ersterer verbleibt aber im Bienenstock.

Hinzu kommt, dass der Imker durchaus nicht sämtlichen Honig aus dem Volk entfernt. Das Füttern im Spätsommer ist eher ein Auffüttern und kein Honigersatz. Über den Winter dient der Honig im Gegensatz zum Pollen in erster Linie als Brennstoff, um die Nesttemperatur durch Körpervibration hoch zu halten.

7. Panikmache erleichtert den Diebstahl

Haben Sie auch gedacht, dass Imker die Bienen „einräuchern“, weil es die Tiere beruhigt und sie dadurch weniger stechen? Falsch gedacht. In Wahrheit verfolgen die Imker mit dem Einräuchern einen eigennützigen Plan. Der Rauch suggeriert den Bienen einen Waldbrand, und als natürliche Reaktion auf diese vermeintliche Gefahr nehmen die Bienen möglichst viel Honig auf, um sich mit genügend Proviant ausgestattet ein neues Zuhause zu suchen. Die Insekten verkriechen sich also voller Panik und sind mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt, während der Imker sich an ihrem Honig zu schaffen macht. In dieser Zeit sind die fleißigen Bienchen irritiert, was ihre „Stechlust“ vorüberhegend senkt.

Zugegeben ist das Räuchern ein Trick, um ein ruhiges Arbeiten am Bienenstock zu ermöglichen. Es schützt jedoch Mensch und Biene. Jede Biene, die sticht, stirbt danach, weil ihr Stachel im menschlichen Gewebe hängenbleibt. Hektisches Hantieren durch den Imker führt ebenfalls eher zu zerquetschten Bienen als ein bedächtiges und umsichtiges Vorgehen.

8.Honig von glücklichen Bienen?

Möglicherweise gibt es auch Imker, die ihren Bienen nicht den ganzen Honig stehlen, und die versuchen, möglichst wenige Bienen zu töten. Aber ist es nicht trotzdem falsch, anderen etwas wegzunehmen, das man selbst gar nicht braucht? Bienen brauchen IHREN Honig für ein gesundes Leben – der Mensch jedoch nicht. Und wer will im Übrigen schon das Erbrochene von Bienen essen, wenn es genügend köstliche Alternativen gibt? Warum nicht selbst zum fleißigen Bienchen werden und sich selbst Honig, zum Beispiel aus Löwenzahn, zubereiten?

Kein Imker wird versuchen Bienen zu töten und wie schon beschrieben, ist es auch gar nicht möglich, den Bienen sämtlichen Honig zu entwenden.

Auch jeder Veganer sollte wissen, dass es sehr dumm ist, Honig mit Erbrochenem zu vergleichen. Ziel ist es wohl, die Emotionen zum Abschluss noch einmal richtig hochzuheizen.

Fazit
Die meisten vermeintlichen Argumente von PETA sind schlecht recherchiert und etliche der Formulierungen, z.B. Honigindustrie, wohl nur in der Absicht verwendet, emotional aufzuputschen.